Europa kann offene KI: Softwaregutachten.at nimmt Apertus 70B in Betrieb

Während dieser Beitrag entsteht, wird bei Softwaregutachten.at das Schweizer Sprachmodell Apertus 70B installiert. Damit beginnt für uns eine intensive praktische Auseinandersetzung mit einer KI, die leistungsfähig, transparent, selbst betreibbar und tatsächlich offen ist.

Es gibt technische Entwicklungen, die beeindrucken. Und es gibt Entwicklungen, die darüber hinaus Mut machen. Apertus gehört für uns eindeutig zur zweiten Kategorie.

Während wir diese Zeilen verfassen, läuft im Hintergrund bereits die Installation von Apertus 70B in unserer Testumgebung. Die Bezeichnung „70B“ steht für die Größenklasse des Modells mit rund 70 Milliarden Parametern. Wir nehmen damit eines der weltweit größten vollständig offenen Sprachmodelle in den internen Testbetrieb.

Das ist für uns mehr als ein weiteres technisches Experiment. Es ist eine bewusste Auseinandersetzung mit der Frage, wie leistungsfähige, transparente und möglichst souverän betreibbare künstliche Intelligenz in Europa aussehen kann.

Apertus ist nicht nur „Open Weights“

Bei vielen vermeintlich offenen KI-Modellen können zwar die fertigen Modellgewichte heruntergeladen werden, wesentliche Teile ihrer Entstehung bleiben jedoch verborgen. Apertus geht deutlich weiter.

Der Name stammt vom lateinischen Wort für „offen“ – und genau dieses Prinzip prägt das gesamte Projekt. Nach Angaben der beteiligten Institutionen sind nicht nur die Modellgewichte zugänglich, sondern auch Architektur, Trainingsmethoden, Informationen über die Trainingsdaten, Quellcode und weitere Bestandteile des Entwicklungsprozesses. Das Modell kann heruntergeladen, untersucht, angepasst und für eigene Projekte eingesetzt werden.

Apertus wird unter der Apache-2.0-Lizenz veröffentlicht. Diese erlaubt neben Forschung und Lehre ausdrücklich auch eine breite kommerzielle Nutzung. Damit entsteht eine Grundlage, auf der Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Entwicklerinnen und Entwickler eigene Anwendungen aufbauen können, ohne vollständig von der Schnittstelle oder den Geschäftsbedingungen eines einzelnen internationalen Plattformbetreibers abhängig zu sein.

Genau das macht Apertus für uns so interessant.

Spitzenforschung aus der Schweiz

Apertus wurde im Rahmen der Swiss AI Initiative entwickelt. Hinter dem Projekt stehen insbesondere die ETH Zürich, die École polytechnique fédérale de Lausanne – EPFL und das Swiss National Supercomputing Centre – CSCS.

Trainiert wurde das Modell auf dem Supercomputer Alps am CSCS in Lugano. An seiner Entwicklung waren Forschende, Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Studierende aus unterschiedlichen Schweizer Institutionen beteiligt. Bereits die erste Apertus-Generation wurde auf rund 15 Billionen Tokens aus mehr als 1.000 Sprachen trainiert. Ein erheblicher Teil des Trainingsmaterials ist nicht englischsprachig; berücksichtigt wurden unter anderem auch bisher bei großen Sprachmodellen unterrepräsentierte Sprachen.

Mit Apertus 1.5 wurde diese Arbeit im Juli 2026 weitergeführt. Die aktuelle Generation erweitert das Modell unter anderem um ein verbessertes Schlussfolgerungsvermögen, bessere Befolgung von Anweisungen, Unterstützung für Werkzeuge sowie die Verarbeitung von Texten, Bildern und Audio. Die Entwickler verstehen Apertus ausdrücklich als langfristige Grundlage für eine offene und souveräne KI-Infrastruktur.

Das ist eine bemerkenswerte wissenschaftliche und technische Leistung.

Warum uns das bei Softwaregutachten.at begeistert

Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren zu einer grundlegenden digitalen Infrastruktur werden. Sie wird Softwareentwicklung, Dokumentenverarbeitung, Wissensmanagement, Kundenkommunikation, Recherche und zahlreiche betriebliche Abläufe verändern.

Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen Wahlmöglichkeiten behalten.

Eine KI, die selbst betrieben werden kann, eröffnet die technische Möglichkeit, Datenflüsse, Zugriffsrechte, Protokollierung und Integrationen stärker selbst zu kontrollieren. Das Modell muss nicht zwingend über eine fremde öffentliche Cloud-Schnittstelle angesprochen werden. Es kann in eine kontrollierte Infrastruktur eingebunden und über eigene Schnittstellen mit internen Anwendungen verbunden werden.

Natürlich löst ein heruntergeladenes Modell nicht automatisch alle Fragen rund um Datenschutz, Sicherheit und Qualität. Entscheidend ist die gesamte Architektur: Wo werden Daten gespeichert? Welche Benutzer erhalten Zugriff? Welche Dokumente darf das Modell verarbeiten? Wie werden Antworten überprüft? Welche Protokolle werden geführt? Und welche weiteren Dienste sind angebunden?

Gerade deshalb wollen wir Apertus nicht nur theoretisch beurteilen. Wir wollen es praktisch testen, vermessen und verstehen.

Unser interner Apertus-70B-Test beginnt

Im ersten Schritt untersuchen wir Apertus 70B in einer internen Testumgebung. Dabei interessieren uns insbesondere:

  • die Qualität deutschsprachiger und technisch anspruchsvoller Antworten,
  • die Verarbeitung umfangreicher Dokumente und Wissensbestände,
  • der Einsatz als interner Recherche- und Assistenzdienst,
  • die Unterstützung bei Softwareentwicklung und Systemadministration,
  • die Anbindung über eine eigene, OpenAI-kompatible Programmierschnittstelle,
  • die Kombination mit kontrollierter Dokumentensuche und RAG-Systemen,
  • die benötigte GPU-Leistung, Antwortgeschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit,
  • sowie die Frage, für welche Aufgaben ein großes 70B-Modell tatsächlich einen Mehrwert bietet.

Unser Ziel ist keine unkritische Begeisterung für möglichst große Modelle. Wir wollen herausfinden, wo Apertus in realen betrieblichen Abläufen überzeugt, wo kleinere Modelle ausreichen und wie sich offene KI verantwortungsvoll in bestehende Systeme integrieren lässt.

Aber bereits die Tatsache, dass ein derartiges Modell heruntergeladen und unter eigener technischer Kontrolle untersucht werden kann, ist außergewöhnlich.

Anerkennung für eine enorme gemeinschaftliche Leistung

Ein Projekt dieser Größenordnung entsteht nicht nebenbei.

Die Entwicklung von Apertus wurde unter anderem durch mehr als zehn Millionen bereitgestellte GPU-Stunden auf dem Supercomputer Alps sowie durch Unterstützung des ETH-Rats ermöglicht. Hinzu kamen Beiträge strategischer Partner, insbesondere von Swisscom.

Unser ausdrücklicher Dank und unsere Anerkennung gelten daher:

der ETH Zürich, der EPFL, dem Swiss National Supercomputing Centre, der Swiss AI Initiative, dem ETH-Rat, den beteiligten Partnern und vor allem den zahlreichen Forschenden, Entwicklerinnen und Entwicklern, Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie Studierenden, die dieses Projekt möglich gemacht haben.

Besondere Anerkennung verdienen auch die wissenschaftlich Verantwortlichen und Projektleiter, darunter Martin Jaggi und Antoine Bosselut von der EPFL sowie Imanol Schlag von der ETH Zürich. Gemeinsam mit einem großen Team haben sie nicht nur ein Modell veröffentlicht, sondern eine technische Grundlage geschaffen, auf der andere weiterarbeiten können.

Diese Offenheit ist keineswegs selbstverständlich.

Ein leistungsfähiges Modell nicht ausschließlich hinter einer kostenpflichtigen Schnittstelle zu verschließen, sondern seine Nutzung, Untersuchung und Weiterentwicklung zu ermöglichen, ist ein bedeutender Beitrag zur Forschung, zur digitalen Selbstbestimmung und zur Innovationsfähigkeit kleinerer Unternehmen.

Dafür sagen wir ausdrücklich: Danke.

Ein starkes Signal aus der Schweiz – und für Europa

Die Schweiz zeigt mit Apertus eindrucksvoll, dass technologische Spitzenleistung, wissenschaftliche Transparenz und verantwortungsbewusste Entwicklung keine Gegensätze sein müssen.

Gerade in einer Zeit, in der ein großer Teil der globalen KI-Infrastruktur von wenigen internationalen Konzernen kontrolliert wird, ist ein solches Projekt von enormer Bedeutung. Apertus beweist, dass auch öffentliche Forschungseinrichtungen und gemeinschaftlich organisierte Initiativen leistungsfähige digitale Grundlagen schaffen können.

Die Schweiz ist damit nicht nur Forschungsstandort, sondern Vorbild.

Für den gesamten europäischen Raum ist Apertus ein wichtiges Signal: Wir müssen bei künstlicher Intelligenz nicht ausschließlich Nutzer fremder Plattformen sein. Wir können eigene Kompetenz aufbauen, Modelle verstehen, Infrastruktur betreiben und Anwendungen entwickeln, die zu unseren rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen passen.

Jetzt beginnt die praktische Arbeit

Bei Softwaregutachten.at beginnt nun die spannendste Phase: der reale Einsatz.

Wir werden Apertus 70B nicht nur nach einzelnen beeindruckenden Antworten beurteilen. Wir wollen seine Stärken, Grenzen, Hardwareanforderungen und Integrationsmöglichkeiten systematisch kennenlernen. Denn erst im praktischen Betrieb zeigt sich, welchen Wert ein KI-Modell für Unternehmen tatsächlich schaffen kann.

Fest steht aber bereits jetzt: Apertus ist ein außergewöhnliches Projekt, auf das die Schweiz mit Recht stolz sein kann.

Die Installation läuft. Die Neugier ist groß. Und unsere Anerkennung für diese wissenschaftliche, technische und gesellschaftliche Leistung könnte kaum größer sein.

Apertus 70B startet bei Softwaregutachten.at.

Europa kann offene KI: Softwaregutachten.at nimmt Apertus 70B in Betrieb

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